Traumatheorie

Dr. Markus Brunner,  Arbeitsgemeinschaft für politische Psychologie, Lehrbeaufragter an der Sigmud Freud privatuniversität Wien und Linz

Fragestellung von Franz Rohrmoser Dr. Brunner am 23.10. 2016 (gekürzt)

 Sehr geehrter Herr Brunner,

Wir stellen bei Bauernfamilien ein kollektives Verhalten von Untertänigkeit fest und wir sind dabei bei einer eigenen  Forschung zu einer „Traumatheorie“ oder „Zum Begriff des Kollektiven Traumas“  gekommen.   Wir  stellen fest dass z.B. großflächig bei Bauern eine „Identifikation mit dem Aggressor“ in Österreich und in Deutschland vorhanden ist. Bauern werden von ihren Berufsvertretern verraten und „beschissen“ und die zwiespsältigen Politiker werden seit 50 Jahren  von den Verratenen trotzdem immer wiedergewält  (siehe Arthurhausartikel im Anhang). Besonders Merkmal ist dabei die Identifikation mit den Großagrariern in zweifacher Form: Entweder zur Nachahmung “ ich will auch groß sein“ oder als Untnerwerfung, das sind die Absteiger die in ihrer Not noch für ein Zulächeln des herrschenden Großen dankbar sind.  Wir arbeiten daran, dass sich Bauernfamilien aus dem traumatisierten Verhältnis der Grundherrschaft befreien und sich zu einer mit dem Konsumenten abgestimmten  neuen Ernährungspolitik emanzipieren. „Zum Begriff des Kollektiven Traumas“ hätte ich gerne ihre Meinung.      Mit freundlichen Grüßen Franz Rohrmoser
Antwort von Herrn Brunner am 25.10. 2015

Lieber Herr Rohrmoser,
vielen Dank für Ihr Anschreiben.

Ich hege politisch große Sympathien für Ihre Ausführungen und Ihre Haltung, bin mir aber nicht sicher, ob traumatheoretische Ausführungen zur Analyse der Situation wirklich sinnvoll sind. Mein Text zum Begriff des Kollektiven Traumas ist v.a. eine Kritik an diesem, der in den meisten Fällen, in denen er benutzt wird, mehr verdeckt als erhellt. Es gibt auch jenseits von Traumata Identifikationen mit gesellschaftlicher Macht; in der psychoanalytisch orientierten Politischen Psychologie wurde über Autoritätshörigkeit schließlich über Jahrzehnte lang geschrieben (das ist das Kernthema der ganzen frühen Kritischen Theorie und der daraus hervorgegangenen psychoanalytischen Sozialpsychologie), ohne dass der Traumabegriff je einmal fiel.
Was Sie bräuchten, ist wohl weniger eine traumatheoretische Forschung (wenn schon, dass eine Aufklärung und Selbstverständigung darüber, welche Ängste und Hoffnungen die nicht aufbegehrenden Bauern hegen), sondern v.a. eben eine an den bäuerlichen Interessen ansetzende Organisierung, wie Sie sie anstreben. Und als Bündnispartner würden mir mehr andere Gewerkschaften als irgendwelche Institute einfallen.

Dies einfach als kurze Rückmeldung.
Beste Grüße,
Markus Brunner

<zurück zur Startseite

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s