4. Das Trauma von 1000 Jahren Grundherrschaft

(gekürzte Fassung, vollständiger Beitrag 102)

Zurück zur Startseite     Es wäre eine Aufgabe von Institutionen der Erwachsenenbildung und von Bildungswerken in einen Prozess der Information, Aufklärung und Verarbeitung einzusteigen. Diese Bearbeitung ist auch wichtig für die Befreiung von Bauernfamilien  aus der heutigen Ausbeutungssituation.

Das Trauma von 1000 Jahren Grundherrschaf    von Franz Rohrmoser

 Zusammenfassung: Unsere Bauernhöfe in Mitteleuropa gibt es seit rund 1000 Jahren. Als sich ab dem 6. Jahrhundert die Baiern ansiedelten, begann die Kolonisierung, das heißt, es wurde Wald gerodet und Bauernwirtschaften errichtet. Seit damals gab es auch die Grundherrschaft mit einem Ausbeuter-Verhältnis zwischen Grundherrn und Bauern als Untertanen. Das Ausbeutungsverhältnis  dauerte unglaubliche 1000 Jahre, bis zur Grundentlastung 1848. Das hat zur Traumatisierung von Untertanen geführt.

Was bedeutet Grundherrschaft

Gleichzeitig mit der Kolonisation entstand auch bereits die „Grundherrschaft“ die damals schon mit einigen Ausnahmen fast alle Bauern zu Untertanen machte. Krammer dazu:

Die Alemannen und Baiern vertrieben zwar die römischen Grundherrn, setzten sich aber an ihre Stelle [] Die Masse der Baiern die sich im heutigen Österreich niederließen, waren Bauern, die einer Grundherrschaft unterstanden. Die Grundherrschaft hatte entlang der Hauptverkehrsstraßen Herrenhöfe, auch Curtes oder Fronhöfe genannt. Diese wurde von unfreien Knechten oder von abhängigen Bauern bewirtschaftet.

 Die Untertanen mussten Fronarbeit leisten und darüber hinaus Naturalleistungen und später auch Geld an den Grundherrn abliefern. Der Grundherr handelte als Beauftragter der Monarchie, er war für jene Eintreibung der Güter und Steuern  zuständig. Es war geregelt, wie viel davon bei ihm selber blieb, wie viel die Landesfürsten erhielten und schließlich, was beim Kaiser abgeliefert werden musste.  Fast alle Bauern und noch darunter in der Hierarchie die Knechte, das Gesinde etc. waren jene unglaublich lange Zeit beständig Untertanen von Grundherrn. Dieser hatte auch für sie zu sorgen, das gehörte zu seinem Auftrag. Aber das Verhältnis war  vielfach Ausdruck einer Leibeigenschaft, die oft dem Schicksal von Sklaven ähnlich war. Sie standen unter der Verfügungsgewalt des Herrn, oft auch einschließlich  der Gerichtsbarkeit. Der Unterschied zwischen Sklaven und Leibeigenen liegt nach Krammer darin, dass Leibeigene ein Personenrecht hatten, Sklaven aber nicht.

Dieses Untertanen-Wesen  hat drei wesentliche Merkmale

  1. Es ist ein eindeutiges Klassensystem mit Herrschaft und Untertan. Grundherrn waren in der Regel in die untere Hierarchie der Adeligen eingestuft, aber eben Adelige.
  1. Es war ein Ausbeuter-System in dem eine Minderheit es mit einem zunehmend ausgeklügelten Regelsystemen es schaffte, dass sie die Mehrheit der Bevölkerung vor den Karren spannt.
  1. Das Verhältnis ist grundsätzlich asymmetrisch, dass heißt, die Machtverhältnisse sind ungleich. Die Herrscherseite hatte immer viel mehr Macht. Dazu kam eine wesentliche Verstärkung der Macht der Herrscher durch das sogenannte „Gottesgnadentum“, es besagt, dass die Macht des Herrschers und die Unterwerfung der Untertanen als gottgewollt galt, es sei Gottes Wille, dass der Untertan Untertan bleibe

Alle drei Merkmale zusammen: der Klassenunterschied, das  Ausbeutersystem, die ungleichen Machtverhältnisse zeigen deutlich dass wir es hier wohl mit einer besonderen, sehr lange gewachsenen, sehr stabilen und auch auf beiden Seiten eingeübten und abgestimmten Form eines Herrschaftsverhältnis zu tun haben. Das System ist für die Untertanen allumfassend und vereinnahmend. Das alleine macht spürbar, dass diese Mechanismen große Nachwirkungen bis heute haben.

Psychologische Einschätzung: Der Zustand wird als Historisches Trauma bezeichnet und es gibt das Phänomen der: Identifikation mit dem Ausbeuter

Gehen wir der Frage nach, was passiert, wenn ganze Gruppen von Menschen als Kollektiv über Jahrhunderte hinweg ausgebeutet, gedemütigt, gekränkt werden? Was passiert, wenn sie auch keine Ermunterung von Gott und Religion bekommen weil die Kirche die Machtseite stützt. Wenn man aussichtslos auf Ausstieg im gleichen Status zum „Unten-Sein“ verdammt ist. Wenn es die Würde und Achtung der Person nicht gibt und das Selbstwertgefühl verloren geht. Schließlich, wenn mehrere solcher Faktoren dauernd einwirken, haben wir es mit einem „historischen Trauma“ zu tun.

Fazit: Wir haben es tatsächlich mit einem „Historischen Trauma“ zu tun und wir erkennen das Phänomen der „Identifikation mit dem Ausbeuter. Wir brauchen Möglichkeiten um diese Phänomene öffentlich  anzusprechen damit diese Trauma-Situation öffentlich diskutiert, reflektiert und bearbeitet werden kann. Das Historische Trauma ist weder den Betroffenen bewusst, noch in der Gesellschaft ein Thema. Bauern brauchen dazu Bündnispartner, darunter insbesondere Fachleute die in der Lage sind, solche Themen verständlich zu Präsentieren und zu diskutieren.

Es wäre eine Aufgabe von Institutionen der Erwachsenenbildung und von Bildungswerken in einen Prozess der Information, Aufklärung und Verarbeitung einzusteigen. Diese Bearbeitung ist auch wichtig für die Befreiung von Bauernfamilien  aus der heutigen Ausbeutungssituation.

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