2. Mit stützenden Partnern in eine neue Zukunft gehen.

(gekürzte Fassung, längerer Beitrag 105)

Mit stützenden Partnern gehen Bauernfamilien in eine neue Zukunft. Daraus kann eine „demokratische Ernährungspolitik“ entstehen                                                                     

von Franz Rohrmoser

Zusammenfassung:  Ziel ist es eine neue, demokratische Ernährungspolitik auf den Grundlagen des Welternährungsberichtes zu entwickeln. Bauernfamilien organisieren und vernetzen sich neu mit organisierten Konsumenten und entwickeln gegenseitig unterstützende Beziehungen. Mit solchen stützenden Beziehungen können sich kleinere und mittlere Bauern aus der abhängigen, entwertenden Rolle des Rohproduzenten von Agrarkonzernen befreien, wo sie bisher das letzte, schlecht bezahlte Glied in der Nahrungsmittelkette ohne Einfluss sind. Bauern/Bäuerinnen emanzipieren sich zum selbstständigen Partner von Gruppen in der Gesellschaft, die an einer demokratischen Neustrukturierung der Ernährungspolitik, mit einer fairen Positionierung der Bauern, interessiert sind.

Ich will zunächst zwei völlig konträre Text-Bilder neben-oder untereinander stellen, um den Ausgangszustand um 1900 von Bauern einerseits und der Arbeiterbewegung andererseits zu vergleichen:

  1. Das Bild der Bauern in der chrstlichsozialen Partei

zeigt die Geschichte einer Entmündigung der  bäuerlichen Bevölkerung. Deren Vordenker Kar von Vogelsang verweist auf den Hirtenbrief der Bischöfe (aus dem Buch  “Der autoritäre Sozialstaat” von Inge Zelinka (3) Zitat: „Dass die Ehrfurcht und der Gehorsam gegen die von Gott verordnete Autorität die Grundlage aller Ordnung in der menschlichen Gesellschaft ist“… Und er ergänzt diese Aussage der Bischöfe,  “ Die Obrigkeit ist auch verpflichtet für das Wohl derjenigen zu sorgen, um derentwillen sie ihr Amt von Gott verliehen bekommen hat. Die herrschende Schicht wird nicht nur zur Fürsorge ermahnt, es wird ebenso klargemacht, dass Armut gottgewollt ist und jeder – ob arm, ob reich – seinen gerechten Platz in der Gesellschaft einnimmt und nicht danach streben sollte diesen  zu verlassen“  Also Aufklärung wurde der Landbevölkeung veweigert (und dieser Text machte mich persönlich sehr betroffen).

  1. Das Bild der Arbeiterbewegung

 Die Arbeiterbewegung begann 1848,  In den 1880-jahren kamen die  Gewerkschaften, 1888 die Sozial-demokratische  Partei und 1892 die Arbeiterzeitung. DAS RECHT AUF SELBSTBESTIMMUNG UND DER GRUNDSATZ: „WISSEN IST  MACHT “ waren laut Inge Zelinka die Kernthemen,    Allgemein gleiches Wahlrecht für alle, direkte Gesetzgebung vom Volk mit Vorschlagsrecht und Selbstbestimmung.  Religion ist Privatsache, Trennung von Kirche und Staat, freie Meinungsäußerung.  Unentgeltliche Schule und Gleichstellung der Frau.  Diese Ideen wurden in der Arbeiterzeitung an die Massen  verbreitet. Dises zweite Bild zeigt eine ganz andere Welt, eine Welt des Lernens von Selbstständigkeit.

Diese zwei Bilder könnten  unterschielicher nicht sein. Während der ländlichen Bevölkerung  weiter Untertänigket gelehrt wurde setzte die Arbeiterbewegung auf as Prinzip “Wissen ist Macht” und ihre Mitglieder konnten Emanzipation lernen. Und zwischen beiden gruppen wurde eine strenge Trennung vollzogen. Bauern wurden von der bösen Sozialdemokratie ferngehalten. Hier ist heute noch Nacholbedarf für eine offene Kommunikation zwischen beiden Seiten.

So sind  die Bauernfamilien immer wieder in  neue Abhängigkeiten greaten. Sie haben als Lieferanten von Rohstoffen die schlechteste Position in der Nahrungsmittelkette ohne Einfluß auf Politik. Und in dieser Postion sind die Kleineren Betriebe der Verdrängug ausgesetzt. Sie kommen aus dieser schlechten Rolle und einflusslosen Position ohne neue und eigene Beziehungen zu den Konsumenten gar nicht heraus.

Es geht hierbei aber um eine neue Qualität von Bauerm- Konsumenten-Beziehungen. Nicht nur einzelne Bauer-Konsument-Beziehungen sind das Ziel, sondern es geht um Beziehungen von organisierten Bauern – wie die IG -Milch es ist – hin zu organisierten Konsumenten, wie etwa Gewerkschaften es sind. Das setzt sowohl eine Aufbau-Arbeit und Eigenanstrengung mit Selbstorganisation zwischen Bauern voraus damit sie Voraussetzungen schaffen für  eine beharliche Vernetzungs- und Beziehungsarbeit zu Konsumenten-Gruppen.

So wird Agrarpolitik zur diplomatischen Beziehungs- und Vernetzungsarbeit und diese Kunst muss wohl auch  gelernt und geübt warden. Verbindliche Beziehungen aufzubauen und ein Netzwerk  errichten setzt eigene Beziehungs- und Konflikfähigkeit voraus. Es müssen Fähigkeiten zur Problemlösung vorhanden sein, aber einiges davon ist auch erlernbar und hier sollen sich die zivilgesellschaftlichen Bauernorganisationen (IG-Milch, ÖBV, andere) profilieren. Sie können sich von der Position der Agraroposition weiterentwickeln für eine neue Art von Führung, den wer wichtige Beziehungen herstellt macht  Strukturierung und nimmt somit auch ein Stück Führung in die Hand.  Außerdem ist der Aufbau neuer Beziehungen nie umsonst, jeder Schritt bewirkt etwas.

Ich will zunächst nur zwei wichtige Bereiche nennen in denen eine solche  Beziehungsarbeit neue Maßstäbe setzen könnte:

  • Zum einem fühlen sich Bauernfamilien schutzlos wenn sie sich von ihren bisherigen “Ausbeutern” trennen sollten, hier dürfte bei den Bauern noch so etwas wie ein Bedürfnis nach Schutz vorhanden sein und bewirken, dass viele bei der wirklichen Trennung von ihrem Ausbeuter noch zögern. Ein bewusstes gleichzeitiges Suchen von neuen, stützenden Partnern aus der Gesellschaft könnte Bauernfamilien bei der notwendigen Trennung behilflich sein (siehe Beitrag der Wolf muss aus dem Schafstall).
  • Es  könnten durch verbesserte Beziehungen mehrere, für beide Seiten wichtige Grundfragen in der Ernährungspolitik angesprochen werden, die auch eine Sicherheit auf beiden Seiten bewirken. Mit dem Netzwerk neuer Beziehungen können Bäuerinnen-Bauern selber an die Kernfragen ihrer  Existenz herankommen und in dieser neuen Rolle ihren Einfluss geltend machen, zum Beispiel an die „Stellschrauben“ des gesellschaftlichen Konsenses:    Muss Nahrung so billig sein und wo sind die Nebenkosten“ ?   So befähigen sich Bauern/Bäuerinnen faire Lösungen  selbst mit den Konsumenten aus-zu-verhandeln.  
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